Ein Gebäude ist mehr als nur Stein und Mörtel. Es ist ein lebendiger Organismus, der sich im Laufe der Jahre wandelt, um den sich verändernden Bedürfnissen seiner Bewohner gerecht zu werden.
1. Eigenheiten des Cash-Managements bei Immobilien
2. Liquidität aus Immobilien zweckmässig investieren
Man könnte nun die Anlagefrage bei überschüssiger Liquidität mit dem Wort «Wertschriften» beantworten. Das heisst, nicht benötigte Liquidität aus den Immobilien wird einfach in Aktien und Obligationen investiert, um damit eine Rendite zu erzielen. Allerdings würde damit eine Vermischung stattfinden. Der ganze Sinn und Zweck eines diversifizierten Portfolios besteht ja darin, in unterschiedlichen Anlageklassen investiert zu sein. Wenn man aus den Überschüssen des Immobilienvermögens wieder in die Börse investiert, hat man beide Anlageklassen vermischt. Die Risiken sind wieder zunehmend miteinander verknüpft und der Wert der Diversifikation sinkt. Gleichzeitig sollten ausserbörsliche Investitionen mit Immobiliengeldern mit grosser Vorsicht angegangen werden, da solche Investitionen meist mit einer schlechteren Handelbarkeit einhergehen. Denn man weiss trotz aller vorausschauender Planung nie, wann man plötzlich Geld für eine Gebäudesanierung oder einen Notfall bei der Liegenschaft benötigt.
Eine aus unserer Sicht praktikable Lösung ist es, den Blick auf den Geldmarkt zu werfen. Damit sind Investitionen mit Anlagehorizont von unter einem Jahr gemeint. Man ist damit nach wie vor mit der Börse verbandelt, ist aber wesentlich weniger «exponiert» gegenüber den Hochs und Tiefs von Aktien und Obligationen. Es gibt selbstverständlich sehr viele Produkte, in die man investieren könnte. Jedes Produkt hat auch sein eigenes Chancen-Risiko-Profil. Aus unserer Sicht sind die folgenden Produkte am interessantesten für das Cash-Management bei Immobilien. Die Aufzählung ist aufsteigend nach Risikoprofil sortiert:
Festgelder
Werden von der Bank am Geldmarkt angelegt mit einer festen Laufzeit. Diese Laufzeiten betragen zwischen 3-12 Monaten. Typische Verzinsungen bewegen sich hier zwischen 0.50% und 0.75%. Die artverwandten Callgelder, welche keine festen Laufzeiten haben und meist binnen 48 Stunden abrufbar sind, erachten wir als wenig interessant für Immobilienliquidität. Für uns zeigt sich bei den Callgeldern kein wirklicher Mehrwert.
Treuhandgeld
Hierbei handelt es sich um eine Unterform eines Call- oder Festgeldes, wo die Liquidität durch die eigene Hausbank typischerweise bei einem ausländischen Bankinstitut für kurze Zeit angelegt/ausgeliehen wird. Die Verzinsungen sind hier höher, aber ebenso steigt auch das Risiko.
Geldmarktfonds
Die Liquidität wird in Fonds-Anteile angelegt, die aber bewusst den Geldmarkt, also die kurzfristigen Anlagen, im Fokus haben, damit wird die Vermischung mit den «klassischen» Fondsanlagen reduziert. Die Verzinsung ist sehr produktabhängig, bewegt sich aber zwischen 0.75% und 1.50%
Strukturierte Produkte
Sind besondere Geldanlagen, die je nach Ausgestaltung die Partizipation am Börsenverlauf ermöglichen, ohne dabei eine Wertschrift (das sogenannte «underlying») zwingend besitzen zu müssen. Wir werden mit dem nachstehenden Fokusthema einer dieser Produkte näher betrachten.
3. Spotlight: Barrier Reverse Convertible
Der Barrier Reverse Convertible (BRC) ist ein strukturiertes Produkt, welches meist am Geldmarkt gehandelt wird. Ohne hier auf die technischen Details einzugehen, kann das Produkt wie folgt kurz umschrieben werden: Man kauft mit dem BRC eine Wertschrift, die aus einer oder mehrerer Aktien besteht. Jede Investition in einen BRC hat eine fixe Laufzeit, in der Regel rund 1 Jahr. Der Investor erhält keine Dividende aus dem BRC, wie das etwa bei der direkt gehaltenen Aktie der Fall ist, sondern eine Coupon-Zahlung. Der BRC funktioniert dabei wie eine Art Darlehen mit einem Kreditzins. Man investiert einen Betrag X in einen BRC und erhält im Idealfall den Betrag X zuzüglich der Coupon-Zahlung zurück. Die Coupon-Zahlung wird normalerweise am Ende der Laufzeit ausbezahlt. Das Risiko der Investition besteht darin, dass man je nach Verlauf der Börse am Ende der Laufzeit entweder den Nennwert des BRC zurückbekommt (also den Darlehensbetrag) oder dann die Aktien tatsächlich ausgeliefert bekommt. Hierbei werden die sogenannten Strike- und Barriere-Preise im Vorfeld definiert. Wenn am Ende der Laufzeit die Aktienkurse der Wertschriften im BRC-Produkt tiefer sind als diese Parameter, erhält man nicht den Nennwert seiner Investition zurück, sondern die eigentlichen Aktien. Liegen die Aktienkurse über den gesetzten Parametern, erhält man den Nennwert plus die Couponzahlung. Offenkundig möchte man als Immobilieninvestor nicht die Aktien ausgeliefert bekommen, da man ansonsten ebenso gut direkt an der Börse hätte investieren können. Ziel des BRC ist es, vom Börsengang zu profitieren ohne Wertschriften übernehmen zu müssen und seine Investition mit einer höheren Rendite zurückzuerhalten. Das nachfolgende Echtbeispiel wird diese Zusammenhänge näher beleuchten (Aktientitel sind anonymisiert):Stand Liegenschaftskonto
CHF 450’000.00BRC-Investment aus dem Liegenschaftskonto
CHF 200’000.00Anlageprodukt
BRC-Produktekorb mit Aktie X / Aktie Y / Aktie ZLaufzeit
12 MonateCoupon-Zahlung
8.45%Strike
80%
Barrier
65%
4. Fazit
Für private Immobilienbesitzer und Family Offices bieten sich am Geldmarkt verschiedene Möglichkeiten, um Mietzinsüberschüsse, die nicht unmittelbar für den Betrieb der Liegenschaft gebraucht werden, gewinnbringend und auf kurze Laufzeiten anzulegen. Dies schafft einen Mehrwert gegenüber dem konventionellen «Belassen» der Überschüsse auf dem Liegenschaftskonto. Nicht zuletzt kann durch solche Investments auch die Gesamtrendite des Portfolios erhöht werden, da man nebst der Nettorendite aus den Mieten durch solche Geldmarktinvestitionen zusätzliche Erträge erzielen kann.Ihr Kontakt
Moritz Falck MRICS